Was bewegt die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern?
ein vollständiges Update vom 25. Februar 2026 findet Ihr hier
KAMPF UND SIEG DER ARBEITERKLASSE
Im Rathaus Neubrandenburg wird derzeit ein großes DDR-Kunstwerk mit genanntem Titel freigelegt und restauriert. Die Stadtvertreter einigten sich darauf nach kontroverser Debatte. Die Denkmalpflege hatte das zweiteilige Fresko, als in dem Gebäude noch die SED-Machthaber saßen, als Denkmal aus dem Jahr 1969 anerkannt. Damit Gäste künftig nicht sofort mit dem DDR-Kunstwerk konfrontiert werden, solle das Werk nach der Restaurierung mit einer Glaswand versehen werden, so dass es nur bei eingeschaltetem Licht sichtbar ist.
KARL MARX ALS VORDENKER DES SOZIALISMUS
Nach der friedlichen Revolution fanden die Zeitgenossen die 30 Quadratmeter große Arbeit, die unter anderem Karl Marx als Vordenker des Sozialismus und Wladimir Iljitsch Lenin als russischen Revolutionsführer zeigt, wohl unpassend für ein repräsentatives Gebäude in einer Demokratie und ließen es übertapezieren. Die Debatte unter den Stadtvertretern reichte von einer vollständigen Freilegung ohne Einschränkungen bis zu einer nur teilweisen Freilegung oder der Möglichkeit, ein Rollo vor dem Bild zu montieren. Die Fraktion der Grünen machte sich in einem Änderungsantrag vor allem dafür stark, nicht nur das Bild an sich sichtbar zu machen, sondern auch die Verdeckungen nach der friedlichen Revolution mit in der Restaurierung zu berücksichtigen.
EIN RATHAUS IST KEIN MUSEUM
Doch sowohl dieser als auch ein Änderungsantrag der Fraktion Bürger für Neubrandenburg (BfN) wurden abgelehnt. „Ein Rathaus ist kein Museum, wo Menschen hinkommen und sich mit Kunst auseinandersetzen“, erklärte eine Sprecherin der BfN-Fraktion und warb für eine Teilverdeckung des Kunstwerks, „deshalb müssen wir die Bürger ein wenig vor der Ideologie schützen.“ Die Meinungen zu dem Thema gingen weit auseinander. Ein Ratsherr führte an, dass er nicht verstehe, warum bei diesem Bild so ein Aufstand betrieben werde. Schließlich gebe es im gesamten Stadtbild ähnliche Kunstwerke mit sozialistischem Hintergrund, die nicht verdeckt werden. „Wie können wir das eine verdecken wollen, das andere aber nicht“, fragte er und sprach sich, wie die meisten seiner und der Linksfraktion für eine vollständige Freilegung aus.
ZUGEZOGENE ODER ALTEINGESESSENE
An einem Punkt in der Diskussion kochten die Gemüter auch schon mal über. Plötzlich ging es für einen Stadtvertreter auch darum, ob nun westdeutsche Zugezogene oder alteingesessene Neubrandenburger, welche das Schubert-Fresko noch aus Kindheitstagen kennen, entscheiden sollten. Und ob jüngere Stadtvertreter, die die DDR nie erlebt hätten, sich überhaupt eine fundierte Meinung dazu bilden könnten. Die Verfechter einer vollständigen Freilegung konnten sich mit ihren Argumenten am Ende nicht durchsetzen.
(Nordkurier)